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Terrorkid meets Chaoskid

Das Wartezimmer ist ziemlich voll. Die taktisch klugen Plätze nahe Tür und Toilette sind alle belegt. Ich wähle den Platz neben einem Elternpaar mit ihrem Kind, das offensichtlich vor kurzem erst laufen gelernt hat. Ein großer Fehler! Das Kleine nutzt die neu erungene Fähigkeit dazu, um wild durch das ganze Wartezimmer zu schwanken. Es scheint sich in der Phase des Teilens zu befinden, denn so hält kurz darauf jeder der mit mir anwesenden Invaliden ein Kinderbuch aus der Spielecke in den Händen. 

Das Kind kommt mit den spitzen Buchrücken meinem Knie, weswegen ich hier bin, gefährlich nahe. Ich rutsche auf meinem Stuhl immer weiter von der Familie weg, fast auf den Schoß der älteren Dame neben mir, und versuche mit meiner Zeitschrift eine schützende Haltung einzunehmen. Ich frage mich, ob ich als fieser Familien- und Kinderfeind abestempelt werde, wenn ich jetzt einfach aufstehe und den Platz wechsle. Weg vom Bücherterrorist. 

 

Ach ja, das Knie ...
Am Tag nach meinem kleinen Unfall war zu allem Übel die Familienfeier anlässlich Oma Gerdas 80. Geburtstag und als ich zur Tür hineinhumpelte, rief meine Mutter aus: "Was ist denn mit deinem Bein passiert? Bist du etwa an Karneval im Suff wo runter gestürzt?".
Spätestens beim Wörtchen "Karneval" rückt die Verletzung, meine Schmerzen und das wie und warum sofort in den Hintergrund und die versammelte Meute bricht in frenetisches Gelächter aus. Mein extraschlauer Schwager haut sich vor Lachen krachend auf den Schenkel, meine Schwester hält sich den schwangeren Babybauch.
Im ersten Moment fühl eich mich wie in Parallelwelt, alles um mich herum scheint sich zu drehen, der Geräuschpegel und auch die Gestik der Beteiligten erinnern mich stark an das Affenhaus im Tierpark, eine Horde wilder Paviane in voller Aufruhr. Gefühlt dauert es eine Ewigkeit, bis das Rudel endlich von mir, der Lachnummer der Nation - na gut, wenigstens des großmütterlichen Wohnzimmers - ablässt.

Ob jetzt das Feiern schuld daran trägt, dass diese vermaledeite Bank ins Wanken kam, ob es der breitschultrige Typ war, der die Bank erst ins Wanken brachte, der Sekt oder das abgelatschte, rutschige Profil meiner Stiefel, das alles zählt nicht, wenn man erstmal das fiese Brandmal "Beim Feiern von der Bierbank gefallen" trägt. So sah ich ziemlich schnell ein, dass ich offiziell "beim Joggen über eine Wurzel gestürzt" bin, sollte nochmal jemand fragen.

Andere haben in meinem Alter bereits Verantwortung für mehrere Kinder übernommen, arbeiten in einer höheren, gut bezahlten Position oder bauen am ersten eigenen Häuschen. Naja, und dann gibt es eben noch Sonderfälle wie mich.

Ein Schlag mit einem bunt blinkenden Kinderspieltelefon auf mein angeschlagenes Knie reisst mich jäh aus meinen Überlegungen. Ich sehe rosafarbenes und blaues Blinken, oder sind das Sternchen? Ich möchte  mich am liebsten in der Embryostellung laut wehklagend vor Schmerzen auf dem Boden winden. Das Kind steht vor mir und hält mir das Spielzeug freudig gurgelnd hin. Das Telefon sagt: "Hallo! Hallo! Bist du da?" und ich wimmere fast stimmlos zwischen zusammengepressten Zähnen "Jetzt nicht mehr!"
Die Mutter sieht nicht mal auf und sagt irgendwas auf Türkisch zu dem Kleinen. Wahrscheinlich: Gut gemacht, dieser latenten Alkoholikerin hast du es richtig gezeigt!

Endlich im Sprechzimmer möchte natürlich auch der Arzt wissen, was passiert ist. Wahrheitsgemäß sage ich: "Bin von einer Bank gestürzt". Er sieht mich daraufhin so an, als hätt ich "Fasching" und "viel zu viel Sekt" in diesem Satz ebenfalls erwähnt. Wie ein Stück Vieh werde ich von seiner winzigkleinen Sprechstundenhilfe auf dem Röntgentisch herumgewuchtet. Noch als ich mit der Röntgenschürze kämpfe, die sich um mich geschlungen hat wie eine Schlingpflanze, reisst der XS-Zwerg die Tür zum Röntgenzimmer auf. Im Flur steht Familie Terrorkid und mustert mich, wie ich da sitze, in meiner geblümten Unterhose und versuche, mir die Schürze vom Bauch zu reissen.

Darf ich mich vorstellen? Mein Name ist Lisa, ich bin 30 Jahre alt und beim Feiern von einer Bierbank gefallen.

17.2.16 12:35


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Der Blog ist tot! Es lebe der Blog!

Nachdem Planet blog.de meine private Therapiecouch einfach so dicht gemacht hat, schlage ich nun hier meine Zelte auf.

Neues Jahr, neuer Blog. Oder so ähnlich. Soll ja alles besser werden, ne?

 

Im Zeichen "Innere durch äußere Ordnung" bin ich auch gleich ins neue Jahr gestartet. Leider ist meine Schaffenswut auf ihrem Höhepunkt auch gleich wieder stagniert und so sitze ich inmitten eines chaotischen Bergs aus ausgekippten Kisten, Schubladen und Schränken, die ausgemistet und ordentlich wieder eingeräumt werden wollen. Irgendwie läuft das immer nach dem selben Schema ab bei mir. In ein paar Jahren werde ich als verlotterte Messibraut auf eine beachtliche Sammlung an Kartons und Kisten mit allerlei Krimskrams schauen können. Vielleicht baue ich diese dann labyrinthartig auf - wird jedenfalls die Katze freuen - oder nutze sie praktischerweise als ein bauklotzartiges Möbelsystem. Ob der gigantischen Anzahl der Kisten werde ich vergessen, was sich in welcher befindet und dass ich dieses oder jendes überhaupt besitze. Toll, das ist dann ja fast wie jeden Tag neu einkaufen! 

 

Oh, und natürlich: Mehr Sport! Meinem Dauervorsatz.
3 Mal die Woche mindestens 20 Minuten. Dumm nur, dass ich heute die 3. "mindestens 20 Minuten" der Vorwoche nachholen sollte und mir statt dessen den Hintern auf dem Schreibtischstuhl platt sitze.

 

Ob das noch was wird, mit 2016 und mir?

 


18.1.16 20:57





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